Stellungnahme von Almweideschutz.at & Weidezone Tirol zum Endbericht „LeKoWolf“ 

 

Fehlende wissenschaftliche Fundierung und politische Risiken

 

Der Endbericht „LeKoWolf – Lebensraum- und Konfliktpotenzialmodell Wolf in Österreich“ soll

möglicherweise als Grundlage für Managementpläne, Förderpolitiken und behördliche

Entscheidungen herangezogen werden. Aus fachlicher Sicht bestehen jedoch schwerwiegende

inhaltliche, methodische und wissenschaftliche Mängel, die eine politische Weiterverwendung

des Berichts in seiner jetzigen Form ausschließen müssen.

 

1. Widersprüchliche Aussagen zu Herdenschutzmaßnahmen

Die Studie erklärt auf Seite 7/8 ausdrücklich, dass weder Wirksamkeit noch Umsetzung von

Herdenschutz empirisch erhoben oder modelliert wurden. Dennoch wird auf den Seiten 105–107

eine Wirkung des Herdenschutzes behauptet, ohne Beleg aus realen Daten. Auf Seite 84 wird

zudem eingeräumt, dass gerade in Almregionen grundlegender Forschungsbedarf besteht, um

Zusammenhänge zwischen Herdenschutz, Weidewirtschaft und Biodiversität überhaupt zu

verstehen. Diese Widersprüche machen klar: Aussagen zur Wirksamkeit von Herdenschutz in

alpinen Regionen entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.

2. Fehlinterpretation ökologischer Rollen

Die oft zitierte Behauptung, der Wolf sei eine „Schlüsselart“ (Seite 17), ignoriert die Realität der

österreichischen Kulturlandschaften. Diese sind keine Wildnisökosysteme, sondern

jahrhundertealte, durch Beweidung und Jagd geprägte Räume. Eine Übertragung

nordamerikanischer Konzepte auf die Alm- und Weidewirtschaft entbehrt jeder empirischen

Basis.

3. Keine Einbindung der Betroffenen – strukturelle Einseitigkeit

Die projektbegleitende Arbeitsgruppe bestand ausschließlich aus Behördenvertretern,

überwiegend aus forst-, rechts- oder agrarumweltbezogenen Abteilungen (Seite 2). Vertreter der

Alm- und Weidewirtschaft, Gemeinden oder bäuerlichen Praxis wurden nicht einbezogen.

Gleichzeitig beruht das Konfliktmodell auf Einschätzungen dieser Behörden. Das führt zu einem

politisch-administrativen Zerrbild, nicht zu einem empirisch fundierten Konfliktbild. Mehrfache

Anfragen um Beteiligung am Projekt seitens Vereine wie Almweideschutz.at und Weidezone

Tirol wurden ablehnend behandelt. Hier wird der Verpflichtung gemäß Alpenschutzkonvention

Berglandwirtschaftsprotokoll Artikel 4 nicht nachgekommen. Artikel 4 besagt, dass Die

Landwirte aufgrund ihrer multifunktionalen Aufgaben als wesentliche Träger der Erhaltung der

Natur- und Kulturlandschaft anzuerkennen und in die Entscheidungen und Maßnahmen für die

Berggebiete einzubeziehen.

4. Reduktion der Landwirtschaft im Konfliktmodell (Kapitel 2.6.2)

Das Modell blendet zentrale Realitäten der Alm- und Weidewirtschaft vollständig aus:

Arbeitsaufwand, Bewirtschaftungsfähigkeit, Infrastruktur, psychische Belastungen,Existenzsicherung, Tierwohl, Biodiversität, Rechtslage, Tourismus und Eigentumsrechte werden

nicht berücksichtigt. Damit wird Landwirtschaft als abstrakte Fläche behandelt, nicht als sozial,

wirtschaftlich und kulturell verankerter Rechts- und Lebensraum.

5. Missverhältnis zwischen öffentlicher Finanzierung und fehlendem praktischem

Nutzen

Die Studie wurde mit öffentlichen Geldern beauftragt und finanziert, obwohl es bereits frühere

Lebensraumanalysen gab (z. B. BOKU 2019, Modelle für die Schweiz, EU-Alpenraumstudien).

Ein konkreter zusätzlicher Wissensgewinn ist nicht erkennbar, zentrale Erkenntnisse fehlen, und

zentrale Fragen bleiben offen (Herdenschutz, Biodiversität, Bewirtschaftungsfolgen).

Gleichzeitig wurden Betroffene nicht einbezogen und Forschungslücken offen benannt.

Damit entsteht der Eindruck, dass öffentliche Mittel eingesetzt wurden, ohne dass belastbare

Entscheidungsgrundlagen für Verwaltung, Landwirtschaft oder Tierschutz geschaffen wurden.

Angesichts der angespannten budgetären Lage im ländlichen Raum und den realen finanziellen

Belastungen für Betriebe muss geprüft werden, ob hier eine Zweckverfehlung oder ein

unverhältnismäßiger Mitteleinsatz vorliegt.

Politische Schlussfolgerung

Solange zentrale Daten fehlen, Betroffene ausgeschlossen wurden und methodische

Verzerrungen bestehen, darf „LeKoWolf“ weder als Entscheidungsgrundlage für Förderpolitik

noch für Wolfsmanagement oder Gesetzesvollzug verwendet werden. Eine Studie, die Konflikte

modellhaft konstruiert, Wirkungen unterstellt und öffentliche Mittel ohne klaren Nutzen bindet,

kann keine Basis für politische Entscheidungen sein.


Wir fordern daher von Bundesminister Norbert Totschnig:

keine politische oder rechtliche Ableitung aus der Studie, solange diese Mängel 2. 3. 4. 5. nicht  geklärt sind,

eine unabhängige Überprüfung der Studienergebnisse und Datengrundlagen,

die verpflichtende interdisziplinäre Einbindung der Weide- und Almwirtschaft in

alle zukünftigen Management- und Forschungsprozesse,

Transparenz über Finanzierung, Zielsetzung und Beauftragung der Studie,

eine Folgenabschätzung, ob Steuergeld ohne praktischen Nutzen eingesetzt wurde

inklusive Klärung von Haftungsfragen für eine derart mangelhafte Studie


Die Zukunft der Weidetierhaltung und die Bewahrung unserer alpinen Kulturlandschaft dürfen

nicht auf Basis unvollständiger, tendenziöser oder politisch anschlussfähiger Modelle riskiert

werden. Wir erwarten eine klare Positionierung des Landwirtschaftsministeriums zu diesen

offenen Fragen.

Wir sehen hier Schweden als ein klares Vorbild, wo man bereits vor Jahren die immense

Bedeutung ihrer Kultur wie Renntierzucht als Unantastbar und somit schützenswert festlegt und

sich die Großraubtierpolitik entsprechend dieses Prinzips anpasst.

Dieses Vorgehen erwarten wir uns auch von den politisch Verantwortlichen in Österreich

Almweideschutz.at & Weidezone Tirol

Herbert Lackner 
Obmann ALMWEIDESCHUTZ.AT
E-mail: office@almweideschutz.at

Stefan Brugger
Obmann Weidezone Tirol
info@weidezone.tirol

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec ullamcorper mattis, pulvinar dapibus leo.